2. Halbjahr 2017

Kursprogramm | Kursdetails

 

Theater erleben: Schauspiel!


 


Liebe Theaterfreunde,
auch in diesem Wintersemester können Sie bei vier neuen Inszenierungen des Staatstheaters zusammen mit der Schauspieldramaturgie einen Blick hinter die Kulissen werfen. Eine 90-minütige Einführung bietet eine Vorbereitung auf das jeweilige Stück sowie einen Einblick in den Entstehungsprozess, die Themen und die Ästhetik der Aufführung. Der Inszenierungsbesuch mit anschließendem Nachgespräch lädt zur vertiefenden Diskussion ein. Hier können sich die Teilnehmenden außerdem mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern über ihr Theatererlebnis austauschen.

Dozent/-innen: Franziska Betz, Alexander Kohlmann, Claudia Lowin, Holger Schröder
Treffpunkt für die Einführungen: Bühneneingang des Großen Hauses

Bernard Shaw
Haus der gebrochenen Herzen
Regie: Dagmar Schlingmann/ Bühne: Sabine Mader / Kostüme: Inge Medert / Musik: Alexandra Holtsch
In dieser zornigen Komödie, die 1919 direkt nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist und das "müßige Europa vor dem Krieg" beschreibt, bringt der irische Dramatiker und Nobelpreisträger Bernard Shaw den heutigen Zustand unserer Welt präzise auf den Punkt: Das Schiff der Gesellschaft ist gestrandet, eine eingerostete Gemeinschaft dreht sich nur noch um sich selbst und versucht mit allen Mitteln, das nicht konfliktfreie, aber gerade noch in seinen Bahnen gehaltene Leben zu bewahren. Doch am Ende schlägt die Bombe ein...
Shaw, einflussreicher Beobachter des bewegten 20. Jahrhunderts, das er kritisch und unbeirrbar-vernünftig kommentiert hat, rückte als Schriftsteller immer offen und kämpferisch die bestehende Unmenschlichkeit ins öffentliche Bewusstsein und missbilligte so die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Er legte die Lebenslügen der bourgeoisen Gesellschaft bloß und schreibt als ein glühender Moralist Komödien über die "unerfreulichen" Realitäten der spätbürgerlichen Gesellschaft.
Dagmar Schlingmann, die neue Intendantin des Staatstheaters Braunschweig, inszeniert diese repräsentative Auswahl einer Vorkriegsgesellschaft, die an ihrer eigenen Überflüssigkeit zugrunde geht.

Einführung am Mittwoch, den 20.9.17 um 20.00-21.30 Uhr
Vorstellung am Mittwoch, den 27.9.17 um 19.30 Uhr im Großen Haus


Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don´t look now)
nach Daphne du Maurier von Christoph Diem und Holger Schröder, Musik von Pär Hagström (Next Stop: Horizon)
Inszenierung Christoph Diem/ Bühne, Video und Kostüme Florian Barth
Was passiert, wenn du die Gabe des zweiten Gesichts besitzt, aber die Zeichen und Warnungen, die du erhältst, nicht zu deuten verstehst? Im Mittelpunkt der Erzählung von Daphne du Maurier stehen John und Laura, die nach Venedig reisen, um einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. Durch die Begegnung mit einem Schwesternpaar wird Laura plötzlich mit Visionen konfrontiert, die sich jeder Vernunft und Logik entziehen. Doch während sie daraus Zuversicht und Trost schöpfen kann, wendet sich John brüskiert ab und will von den "Spinnereien" der beiden Damen nichts hören. Gleichzeitig kann er sich nicht dagegen wehren selbst merkwürdige Bilder wahrzunehmen. Vor dem Hintergrund, dass die Lagunenstadt gerade von einem Serienmörder heimgesucht wird, spitzt sich die Situation dramatisch zu... und Vertrautes verliert sich in einer Welt, in der das Unheimliche immer mehr Raum greift.
Ausgehend von der Erzählung und der Verfilmung von Nicolas Roeg haben Holger Schröder und Christoph Diem die erste Theaterfassung von "Wenn die Gondeln Trauer tragen" geschrieben. Ein weiteres wichtiges Element ist die Musik und die Songs der schwedischen Indie-Pop-Band "Next Stop: Horizon", die live auf der Bühne mitwirken.

Einführung am Mittwoch, den 11.10.17 um 20.00-21.30 Uhr
Vorstellung am Samstag, den 21.10.17 um 19.30 Uhr im Kleinen Haus


Klaus Gehre nach Sergio Leone
Spiel mir das Lied vom Tod (Amerika Trilogie Teil 1)
Regie und Bühnenbild: Klaus Gehre/ Musik: Michael Lohmann
Unaufhaltsam frisst sich die Eisenbahn durch die amerikanische Prärie Richtung Pazifik. In ihrem Gefolge bringt sie die Segnungen der Zivilisation und des amerikanischen Kapitalismus. Aber vorher werden noch schnell die letzten freien Parzellen nach dem alten Faustrecht verteilt, mit brutaler Gewalt.
Sergio Leone berühmtes Epos ist ein Anti-Western, der mit den bekannten Versatzstücken des Genres bricht. "Der Mann aus dem Westen ist nicht der, den die Regisseure, Drehbuchautoren und Cineasten Hollywoods beschreiben", kritisierte Leone die US-Filmindustrie. "Der echte Westen war weder angenehm noch poetisch. Das Gesetz gehörte den Härtesten, Brutalsten und Zynischsten." Indem Leone das wahre Gesicht jener Zivilisation enthüllt, die sich im Leerraum der Wüste entfaltet, erzählt er viel über die Welt, in der wir bis heute leben. Die letzte Einstellung des Films zeigt überdeutlich: Am Horizont steht schon ein anonymes Arbeiterheer bereit, um im aufkommenden Kapitalismus freigesetzt zu werden.
Mit "Spiel mir das Lied vom Tod" startet das Staatstheater Braunschweig eine Trilogie zur Geschichte des amerikanischen Traums von seinen Anfängen bis zur Gegenwart.

Einführung am Mittwoch, den 8.11.17 um 20.00-21.30 Uhr
Vorstellung am Freitag, den 10.11.17 um 20.00 Uhr im Aquarium


Hermann Melville
Moby Dick
Regie: Tim Tonndorf / Bühne: Anna Bergemann/ Kostüm: Josephin Thomas
Abenteurer und Desperados stechen von Nantucket (Massachusetts) aus in See, um auf Walfang zu gehen. Reich wollen sie werden, denn Tran ist das Erdöl der Zeit. Der bürgerlichen Enge des Festlandes wollen sie entfliehen und den Horizont erobern. Aber Kapitän Ahab hat andere Ziele und instrumentalisiert ihre Sehnsucht für seinen persönlichen Rachefeldzug gegen einen weißen Wal, der ihm einst ein Bein abgerissen hat und in dem er alles Böse der Welt verkörpert sieht. Wut und Verzweiflung über die menschliche Verletzbarkeit, Allmachtsfantasien und Angst, Befehl und Gehorsam befeuern die wahnwitzige Jagd. Weiter, immer nur weiter geht es ins Uferlose, bis die Mannschaft an der Grenze der Welt dem eigenen Wahn begegnet, der ihr als unfassbares Unwesen gegenübertritt. Wer oder was Moby Dick am Ende gewesen ist, vermag niemand zu sagen.
Hermann Melville beschreibt des Menschen größte Sehnsucht und Furcht und entwirft mit seiner berühmten Seefahrergeschichte zugleich eine Diagnose seiner (und unserer) modernen Zeit.
Der Regisseur Tim Tonndorf, der bereits Text-Ozeane wie die "Ilias" und die "Odyssee" inszeniert hat, wird den Roman in einer eigenen Fassung für das Staatstheater Braunschweig auf die Bühne bringen.

Einführung am Mittwoch, den 6.12.17 um 20.00-21.30 Uhr
Vorstellung am Freitag, den 15.12.17 um 19.30 Uhr im Kleinen Haus 

Kursnummer und Dozentenliste
LKC02   Claudia Lowin
Christian Timme

Beginn: Mi. 20.09.2017, 20:00 Uhr

(8 Termine, insges. 16 Unterrichtsstunden)


Alle Kurstermine und -zeiten auf einen Blick

Kursgebühr: 108,00 €
incl. Vorstellungsbesuche


Kursort:
Staatstheater Braunschweig, Großes Haus
Am Theater, 38100 Braunschweig

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