Theater erleben: Schauspiel!

    Vier Inszenierungen, vier Regiehandschriften, vier Theater-Abende. Auch im Herbstsemester 2020 lädt die Volkshochschule Sie ein, das Staatstheater Braunschweig besonders intensiv zu erleben. Zu jedem Abend findet ungefähr ein bis zwei Wochen im Voraus eine ausführliche 60-minütige Einführungsveranstaltung mit der Dramaturgin oder dem Dramaturgen statt, bei der die Teilnehmenden mehr über die Hintergründe von Stück und Inszenierung erfahren. Im Anschluss an die Vorstellung trifft sich die Gruppe wieder zum Nachgespräch, um das Gesehene mit den Künstler*innen zu reflektieren und zu diskutieren.

    Dozent/-in: Katharina Gerschler, Holger Schröder

    Hinweis: Das Umbuchen einzelner Theater-Tickets auf andere Termine ist möglich und kann individuell direkt an der Kasse des Staatstheaters vorgenommen werden. Dafür fällt eine Bearbeitungsgebühr von jeweils 1 € an.

    GASLICHT
    von Patrick Hamilton

    Bella lebt mit ihrem Mann Jack in einem viktorianischen Haus im Londoner Nebel. Es ist schaurig, zugig und gaslampenbeleuchtet. Um die Ehe steht es auch nicht zum Besten. Es herrscht Psychoterror. Bella macht nicht nur alles falsch, nein, offenbar ist sie krank, ein Opfer von Wahnzuständen und unbewussten Zwangshandlungen - oder soll dies zumindest glauben. Es gäbe wohl eine gute Erklärung für die Geräusche aus der Wohnung darüber. Und auch dafür, dass das Gaslicht immer wieder infolge Druckabfalls an Kraft verliert. Nur: Wer würde ihr glauben? Was glaubt sie, selbst zu glauben? Diese Welt ist von Desinformation und Dauerlüge perforiert. Diese Welt ist hysterisch und paranoid. Diese Welt ist bewohnt von bloßen Spinnern und manipulativen Psychopathen. »Gaslicht« wurde 1940 als »Das Haus der Lady Alquist« mit Ingrid Bergman und Joseph Cotten verfilmt. Heute, da der psychologische Thriller gänzlich ins Fernsehen gewandert ist, verlangt das Genre auf der Bühne einen ganz eigenen Groove.

    Einführungsveranstaltung mit dem Dramaturg Holger Schröder: 15. September 2020, 20:00 Uhr im Großen Haus, 3. Stock Hausbar
    Vorstellungsbesuch: 23. September 2020, 19:30 Uhr im Kleinen Haus mit anschließendem Publikumsgespräch im Foyer des Kleinen Hauses

    Frankenstein
    nach Mary Shelley für die Bühne bearbeitet von Michael Talke

    Die Faszination des Frankenstein-Mythos ist auch 200 Jahre nach Erscheinen des Romans ungebrochen. Das Meisterwerk der 20-jährigen Mary Shelley erzählt von Traum und Alptraum der Erschaffung eines menschenähnlichen Wesens. In vielfältigen Varianten haben das namenlose Monster und der ehrgeizige Forscher, der es in die Welt brachte, sich seither in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben. Abstoßend, ungeliebt, fremd, unheimlich und ohne Möglichkeit zu normaler sozialer Interaktion rächt sich das Werk schließlich bitter an seinem Schöpfer. Noch nie waren wir so nah an der Verwirklichung der Visionen von Shelleys Viktor Frankenstein. Die Selbstoptimierung des Menschen wird - nicht nur - in der Forschung immer weiter vorangetrieben. Was sind die Grenzen?

    Einführungsveranstaltung mit der Dramaturgin Katharina Gerschler: 6. Oktober 2020, 20:00 Uhr im Großen Haus, 3. Stock Hausbar
    Vorstellungsbesuch: 24. Oktober 2020, 19:30 Uhr im Großen Haus mit anschließendem Publikumsgespräch im 3. Stock Hausbar

    Frau Ada denkt Unerhörtes
    Martina Clavadetscher

    Ada Lovelace, Mathematikerin und Tochter Lord Byrons, blieben zu Lebzeiten wissenschaftliche Karriere wie selbstbestimmtes Leben von gesellschaftlichen Konventionen verwehrt. Inzwischen gilt sie als Visionärin des Digitalzeitalters, ihre Auseinandersetzung mit Entwürfen zu einer dampfgetriebenen Rechenmaschine legte begriffliche Grundlagen für unsere multimediale Welt. Martina Clavadetscher erforscht die Lebens- und Denkwelt der »Countess of Computing« und spannt einen Bogen bis in die Gegenwart. Erzieht in einem ersten Teil die Mutter ihr begabtes Kind weg von dunkel romantischen väterlichen Neigungen zum angepassten Roboter, zerbricht Ada am Zwiespalt zwischen fragilem Körper und revolutionärem Geist, so verselbständigt sich im zweiten Teil eine von ihr vorausgedachte künstliche Intelligenz zum Monstrum, das plötzlich eigenen Geist entwickelt. Ein Auswuchs des menschlichen Triebs zur Selbstoptimierung.

    Einführungsveranstaltung mit dem Dramaturg Holger Schröder: 4. November 2020, 20:00 Uhr im Großen Haus, 3. Stock Hausbar
    Vorstellungsbesuch: 15. November 2020, 20:00 Uhr, Aquarium mit anschließendem Publikumsgespräch im Foyer des Kleinen Hauses/Aquarium

    Pfisters Mühle
    nach Wilhelm Raabe in einer Überschreibung von Rebekka David

    Es ist eine veritable Ökokatastrophe: Die neue Zuckerfabrik leitet Abwässer in den Mühlbach, erfüllt die Gegend mit Gestank und bringt so Gewerbe und Menschen zu Tode. Was Wilhelm Raabe in seinem nachhaltig aktuellen Roman beschrieb, verdankte er Spaziergängen um Braunschweig, wo man 1882 im Prozess gegen einen ortsansässigen Mühlenbesitzer einem massiven Fischsterben in der Wabe nachging. Mit dem Gerichtsgutachter bekannt, durfte der Autor Einsicht in die Akten nehmen. Wie nebenbei beschreibt er in "Pfisters Mühle" dann auch den Sprung vom vorindustriellen Deutschland in die Moderne. Die Ablösung der alten Welt durch eine neue geschieht dabei irritierend geräuschlos, hat aber Merkmale einer Revolution: Sie verschlingt Natur und Lebensgrundlagen, vernichtet Jene, die den Schritt in die Zukunft nicht mehr gehen können, und nivelliert ihre Vergangenheit.

    Einführungsveranstaltung mit der Dramaturgin Katharina Gerschler: 2. Dezember 2020, 20:00 Uhr im Großen Haus, 3. Stock Hausbar
    Vorstellungsbesuch: 13. Dezember 2020, 19:30 Uhr im Kleinen Haus mit anschließendem Publikumsgespräch im Foyer des Kleinen Hauses


     
    Kursnummer RKC02
    Beginn Di. 15.09.2020 20:00 Uhr
    Kursgebühr 110,00 €
    inkl. Vorstellungsbesuche
    Dauer 4 Termine
    insges. 8 Unterrichtsstunden
    Kursleitung Holger Schröder
    Kursort Staatstheater Braunschweig, Großes Haus
    Am Theater, 38100 Braunschweig
    keine Anmeldung möglich


    Ansprechpartner/-innen

    Kirsten Finkbeiner, Tel. 0531 2412-204

    Ansprechpartner/-innen

    Kundencenter der VHS
    Tel. +49 531 2412-0

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